Archiv für Januar, 2008

Deadbeat at Dawn (1988)

Veröffentlicht in Rezension mit Tags , , am Januar 26, 2008 von balkantoni

Deadbeat at Dawn ist einer der besten Filme, die ich je gesehen habe. Ich erinnere mich genau an den Tag, als mir Danliftingbanner die Kassette in die Hand drückte und so etwas sagte wie: „Der könnte dir gefallen – ist so ein 80er-Gang-Film mit Nunchakus und Jeansjacken ohne Ärmel.“

Und es stimmt – auf den ersten Blick ist Deadbeat at Dawn nicht mehr als ein hyper-gewalttätiger Low-Budget-Action-Film mit einer scheinbar unterentwickelten Story: Goose, gespielt von Autor / Regisseur des Films Jim van Bebber, ist der Anführer der Gang namens Ravens, der versucht das Leben als Krimineller zu verlassen und mit seiner Freundin straight zu werden. Diese Pläne werden allerdings von der gegnerischen Gang, den Spiders, zerstört – diese töten nämlich Gooses Freundin und, wie sollte es anders sein, zwingen ihn zur Rache. Diese mündet in einem außerordentlichen Massaker.

Das besondere an Deadbeat at Dawn ist, dass es trotz seines winzigen Budgets kein Schund ist (die meisten Low Budget-Filme sind es nämlich) – es ist einer dieser seltenen Filme, bei welchen das Talent der Beteiligten jede Budgethürde überwunden zu haben scheint: Die Action-Szenen sind fantastisch choreographiert und dynamisch geschnitten (Van Bebber war ein ziemlicher Kampfsport-Freak, was man an den zahlreichen Nunchaku-Szenen und hohen Kicks der Kampfszenen sehr gut sieht). Der Soundtrack besteht meistens aus minimalen Synthie-Geräuschen oder einer Flanger-Gitarre und unterstützt die trostlose Atmosphäre sehr gut. Die Schauspieler sind überzeugend, die Bilder sind stets düster und bedrückend. Das beste an diesem Film ist allerdings die totale Abwesenheit der Ironie – Deadbeat at Dawn ist todernst. Alleine schon deswegen wird er nie von so einer Hanswurst wie Tarantino zitiert werden; dafür hat Van Bebber einfach viel zu sehr an sein Werk geglaubt.

Was mich an diesem Film besonders beeindruckt hat, war die intensive Atmosphäre – die Welt in Deadbeat at Dawn ist von Armut, Gewalt und emotionaler Verkümmerung gekennzeichnet – dieses letzte Element wird vor allem von Danny, dem Anführer der Spiders, personifiziert, der auf die Frage, ob er seine Freundin liebt fast mit Gewalt reagiert. Was das Thema der Armut angeht, so ist der Vater des Protagonisten ein drogenabhängiger Vietnamveteran und diese waren in den 80ern eine regelrechte Allegorie der sozialen Verwahrlosung, so etwa in Combat Shock, einem Film, der in vielerlei Hinsicht Deadbeat at Dawn ähnelt (beide sind vergleichbar Lo-Fi, ernst und pessimistisch). Die Gewalt in Deadbeat at Dawn ist niemals witzig oder cool, sondern vielmehr furchterregend und entsetzlich; dies ist etwas, das in der endgültigen Auseinandersetzung zwischen Goose und Danny besonders eindrücklich demonstriert wird: die beiden zerfleischen sich förmlich Gegenseitig und sterben beide. In Deadbeat at Dawn triumphiert man nicht durch Gewalt, sondern stirbt.

Deadbeat at Dawn ist daher ein Actionfilm, der es schafft mehr als bloß Gore und Thrills zu vermitteln: Es ist ein Film mit dem man sich erst nach dem Sehen auseinanderzusetzen beginnt, weil man das Gefühl hat in den Abgrund menschlicher Möglichkeiten geblickt zu haben – ein bisschen so wie bei Anti-Kriegs-Filmen (wo wir wieder bei Combat Shock wären).

P.S. Ein weiterer Punkt, den ich persönlich an diesem Film schätze ist die Tatsache, dass er eine perfekte Verkörperung des von mir bereits Erwähnten Bildes der Kriminalität in den 80ern – Bandanas und Nunchakus. Die Double Dragon-Verfilmung hätte so aussehen müssen.

Imdb: http://imdb.com/title/tt0099377/

Romper Stomper (1992)

Veröffentlicht in Rezension mit Tags , , , am Januar 14, 2008 von balkantoni

Romper Stomper wurde mir von so ziemlich jedem meiner Freunde groß angekündigt – als der große amoralische Skinhead-Film, als der Film über Motivationen von Neo-Nazis, als der unhollywoodhafte Diskurs-Film und whatnot. Und jetzt habe ich ihn gesehen und verstehe absolut nicht, woher meine Freunde ihre gute Meinung herhaben. Romper Stomper ist in jeder Hinsicht ein minderwertiger Film. Das einzig Gute an diesem Film ist dessen eingängiger Titel. Der Rest – angefangen bei der 80er-Neon-Optik bis hin zu Russel Crowes ungewohnt minderwertiger Darstellung ist schrottig. Der Film ist (bis auf den Soundtrack) nicht einmal authentisch – in Romper Stomper sind Skinheads eher geschminkte Droogs als… nun Skinheads. Und die Mädchen erst – die wären gute Statisten in Blade Runner gewesen.

Am schlimmsten ist allerdings der Kitsch. Ugh. Lasst euch nicht täuschen – trotz all dessen vordergründiger Gewalt ist Romper Stomper einer dieser homoerotischen Male-Bonding-Filme. Es geht um zwei Skinheadkumples, zwischen denen der Keil in Form einer Frau getrieben wird. Ganz schlimm. Und nein, ein Film über Neo-Nazis muss keineswegs dessen Thematik irgendwie moralisch Bewerten, allerdings erscheint Romper Stompers Amoralität eher ein Ergebnis mangelnder Intelligenz als einer tatsächlichen Absicht zu sein. Geoffrey Wrigt, der Regisseur und Autor des Films, hat nach Romper Stomper auch nichts nennenswertes mehr gemacht. Es gibt Leute wie Jim Van Bebber (dessen Deadbeat at Dawn ich als nächsten Film rezensieren werde), bei denen es eine richtige Tragödie ist, dass sie nicht Produktiver sind – bei Wright ist das definitiv nicht der Fall.

Abschliessend kann ich nur sagen, dass das nächste Mal, wenn euch jemand Romper Stomper als ernsthafte Alternative zu American History X nennt, ihr anfangen solltet laut zu lachen – American History X mag ein moralisierender Hollywood-Film sein, es bleibt dennoch auch ein intelligenter, authentischer und außergewöhnlich bitterer Film. Romper Stomper, hingegen, ist einfach nur Schund.

Imdb: http://imdb.com/title/tt0105275/

Das Fliegende Auge / Blue Thunder (1983)

Veröffentlicht in Rezension mit Tags , , am Januar 13, 2008 von danliftingbanner

Das fliegende Auge
(Blue Thunder)
1983
John Badham

So, das wird also mein erster Blogbeitrag,warum nicht mit einem Film anfangen der mir schon als 12jährigen feuchte Träume beschert hat, und zwar DAS FLIEGENDE AUGE. Gedreht wurde der von John Badham, und der Typ ist nicht wirklich ein schlechter Schinken da er andere Kracher wie zb SATURDAY NIGHT FEVER oder NR5 LEBT (der ganz oben bei meinen Filmen steht, die ich mir dringend mal wieder ansehen muss) gedreht hat.

Gleich am Anfang des Films wird man darauf hingewiesen das die im Film verwendete Technik damals auch bei der wirklichen Polizeiarbeit eingesetzt wird, ob das jetzt wirklich so stimmt lassen wir mal dahingestellt sein. Jetzt zur Story: Es geht darum das ein neuer Polizeihubschrauber getestet werden soll, mit dem z.Bsp. bewaffnete Aufstände niedergeschlagen werden können.

Gleichzeitig lernen wir den Piloten Frank Murphy kennen, und wie solls anders sein, er ist der typische Filmpolizist (meiner Meinung nach gut besetzt mit Roy Scheider). Er ist Single (oder ich nehme an eher geschieden), er ist etwas verkracht mit seiner neuen Freundin, lernt natürlich gleich den neuen jungen (und etwas trotteligen) Partner kennen und ist etwas launisch. Hinzu kommen allerdings noch neue Dinge, so fährt er einen Sportwagen mit dem auch mal im Parkhaus Slalom gefahren wird und er hat ein Vietnamkriegstrauma.

Jedenfalls wird er gleich mit dem neuen Hubschrauber vertraut gemacht, dabei lernen wir auch den Feind des Films kennen und zwar CLOCKWORK ORANGE Darsteller Malcolm Mcdowell. Beide kennen sich noch aus Kriegstagen, Kommentar von Murphy´s Boss zu Malcolm „Was ein Arschloch“. Nach anfänglichen Witzen inklusive des Ranzoomens ins Dekollete einer Prostituierten oder beobachten einer Schauspielerin bei nackten Yogaübungen kommen unsere Helden einem Komplott auf die Spur bei dem der neue Hubschrauber keine kleine Rolle spielt.

Jetzt kommt auch leider die Schwäche des Films zum Vorschein, denn natürlich steht der besagte Hubschrauber im Zentrum des Films doch immer passend und eher als Mittel um die Intrige durch dessen technische Spielereien aufzudecken, allerdings nur bis zur letzten halben Stunde wo es vom ganz gut gemachten Verschwörungsthema zum Geballer übergeht und Murphy ab diesem Zeitpunkt nur noch im Hubschrauber sitzt.

Bitte versteht mich jetzt nicht falsch: ich mag Actionfilme und der Schluss ist auch gut gemacht, allerdings merkt man, dass es der Regisseur nicht mehr aushalten konnte, endlich Gas zu geben. Und was da alles aufgefahren wird! Polizeiautos werden in der Mitte zerschossen, F16 Flugzeuge jagen mitten in der Stadt Brathähnchenbuden in die Luft,und der abschliessende Luftkampf inklusive Helilooping(!). Hier wirde leider etwas zuviel Gas gegeben, da besagte F16 Flieger oder der schwer bewaffnete Gegnerhubschrauber doch etwas übertrieben sind.

Die Thematik des Films ist auch so ‘ne Sache, da einerseits fast schon die Technik der damaligen modernen Polizeiarbeit gelobt wird, andererseits das Thema Überwachungsstaat kritisiert wird. Ich glaube, der Regisseur wusste selbst nicht ganz auf was er hinauswollte weswegen der Film etwas überladen ‘rüberkommt. Trotzdem muss ich sagen das der Film sehr unterhaltsam ist und definitiv einen hohen Wiederanschauungswert hat.

 

Imdb: http://imdb.com/title/tt0085255/

Legend (1985) – Director’s Cut

Veröffentlicht in Rezension am Januar 4, 2008 von balkantoni

„Legend“ ist einer dieser Filme- ich verstehe genau, was Ridley Scott wollte und doch will es nicht funktionieren. Doch zunächst einmal zum Film selbst: Ridley Scott drehte „Legend“ mit der Absicht einen Märchenfilm zu drehen. Es handelt sich also nicht um eine tolkien’sche keltenimport-Saga, sondern um einen Film, der nur wenig Kontext zu dem Dargestellten liefert. Wir sehen nie das Königreich der Prinzessin und bekommn nur das Notwendigste über die Motivationen der Figuren zu sehen. Der Plot – ein Einhorn soll aus den Händen eines Dämons gerettet werden – ist ebenfalls märchenhaft karg. Das ist alles kein Problem. Die Kulissen und bilder sind ebenfalls outta here – „Legend“ sieht so aus, wie ich mir eine LSD-Erfahrung vorstelle. Sehr bunt, mit wirklich schrägen Sounds! Die Einhörner machen Buckelwalgeräusche (im Ernst), die Gewässer rauschen mit viel zu viel Bass. Jerry Goldsmiths Musik ist überwältigend. Eigentlich müsste mit Legend gefallen.

Und doch lässt mich der Film kalt. Selbst im Director’s Cut hat „Legend“ viel zu wenig Tempo, einen ungünstigen und extrem flachen Spannungsbogen und ein viel zu langsames Finale. Außerdem wurde mir die freud’sche Dimension märchenhafter Finsternis viel zu sehr durch die holywood-typische Wiederinstandsetzung der Familie überlagert. Und Tom Cruis nervt in diesem Film mehr als in jedem anderen seiner Filme. Das ist besonders bitter, wenn man sich überlegt, dass auch Jim Carrey im Gespräch für die Hauptrolle war – er hätte dem film definitiv gut getan.

Imdb: http://imdb.com/title/tt0089469/