Deadbeat at Dawn ist einer der besten Filme, die ich je gesehen habe. Ich erinnere mich genau an den Tag, als mir Danliftingbanner die Kassette in die Hand drückte und so etwas sagte wie: „Der könnte dir gefallen – ist so ein 80er-Gang-Film mit Nunchakus und Jeansjacken ohne Ärmel.“
Und es stimmt – auf den ersten Blick ist Deadbeat at Dawn nicht mehr als ein hyper-gewalttätiger Low-Budget-Action-Film mit einer scheinbar unterentwickelten Story: Goose, gespielt von Autor / Regisseur des Films Jim van Bebber, ist der Anführer der Gang namens Ravens, der versucht das Leben als Krimineller zu verlassen und mit seiner Freundin straight zu werden. Diese Pläne werden allerdings von der gegnerischen Gang, den Spiders, zerstört – diese töten nämlich Gooses Freundin und, wie sollte es anders sein, zwingen ihn zur Rache. Diese mündet in einem außerordentlichen Massaker.
Das besondere an Deadbeat at Dawn ist, dass es trotz seines winzigen Budgets kein Schund ist (die meisten Low Budget-Filme sind es nämlich) – es ist einer dieser seltenen Filme, bei welchen das Talent der Beteiligten jede Budgethürde überwunden zu haben scheint: Die Action-Szenen sind fantastisch choreographiert und dynamisch geschnitten (Van Bebber war ein ziemlicher Kampfsport-Freak, was man an den zahlreichen Nunchaku-Szenen und hohen Kicks der Kampfszenen sehr gut sieht). Der Soundtrack besteht meistens aus minimalen Synthie-Geräuschen oder einer Flanger-Gitarre und unterstützt die trostlose Atmosphäre sehr gut. Die Schauspieler sind überzeugend, die Bilder sind stets düster und bedrückend. Das beste an diesem Film ist allerdings die totale Abwesenheit der Ironie – Deadbeat at Dawn ist todernst. Alleine schon deswegen wird er nie von so einer Hanswurst wie Tarantino zitiert werden; dafür hat Van Bebber einfach viel zu sehr an sein Werk geglaubt.
Was mich an diesem Film besonders beeindruckt hat, war die intensive Atmosphäre – die Welt in Deadbeat at Dawn ist von Armut, Gewalt und emotionaler Verkümmerung gekennzeichnet – dieses letzte Element wird vor allem von Danny, dem Anführer der Spiders, personifiziert, der auf die Frage, ob er seine Freundin liebt fast mit Gewalt reagiert. Was das Thema der Armut angeht, so ist der Vater des Protagonisten ein drogenabhängiger Vietnamveteran und diese waren in den 80ern eine regelrechte Allegorie der sozialen Verwahrlosung, so etwa in Combat Shock, einem Film, der in vielerlei Hinsicht Deadbeat at Dawn ähnelt (beide sind vergleichbar Lo-Fi, ernst und pessimistisch). Die Gewalt in Deadbeat at Dawn ist niemals witzig oder cool, sondern vielmehr furchterregend und entsetzlich; dies ist etwas, das in der endgültigen Auseinandersetzung zwischen Goose und Danny besonders eindrücklich demonstriert wird: die beiden zerfleischen sich förmlich Gegenseitig und sterben beide. In Deadbeat at Dawn triumphiert man nicht durch Gewalt, sondern stirbt.
Deadbeat at Dawn ist daher ein Actionfilm, der es schafft mehr als bloß Gore und Thrills zu vermitteln: Es ist ein Film mit dem man sich erst nach dem Sehen auseinanderzusetzen beginnt, weil man das Gefühl hat in den Abgrund menschlicher Möglichkeiten geblickt zu haben – ein bisschen so wie bei Anti-Kriegs-Filmen (wo wir wieder bei Combat Shock wären).
P.S. Ein weiterer Punkt, den ich persönlich an diesem Film schätze ist die Tatsache, dass er eine perfekte Verkörperung des von mir bereits Erwähnten Bildes der Kriminalität in den 80ern – Bandanas und Nunchakus. Die Double Dragon-Verfilmung hätte so aussehen müssen.